ZAM Labor Vol #1
RE:VOLVE

Artistic director: Marion Wörle aka FrauW
Stadtgarten Köln /// Mo 26.05.2008 /// 21:00 h
 
Besetzung:
DJ Elephant Power (Turntables)
Ignaz Schick (Turntables)
Marion Wörle aka Frau W (Laptop)
Claus van Bebber (Turntables)
Christian Wolfarth (Percussion)


 
Das erste Konzert der neuen ZAM Labor Reihe setzt sich mit dem Thema „Turntablism“ auseinander.
Dass der Umgang mit dem Plattenspieler als Instrument mit HipHop seinen Anfang genommen hat, ist allgemein bekannt. Eine besonders sportliche Ausprägung des Plattenkratzens namens „Turntablism“ entstammt der Battle-Kultur, wie sie im HipHop gang und gäbe ist. Nicht nur MCs treten in öffentlichen Freestyle-Wettkämpfen gegeneinander an, sondern eben auch DJs. Je fingerfertiger ein DJ, je schneller und kunstvoller seine Bewegungen, desto höher sein Ansehen. Der musikalische Aspekt rückt in dieser ursprünglichen Form des Turntablism in den Hintergrund. Wichtig ist, den Plattenspieler möglichst souverän im Griff zu haben. Im Kontext improvisierter und Neuer Musik entstand über die Jahre eine andere Konnotation des Begriffs „Turntablism“, die offener ist als die ursprüngliche Bedeutung des Wortes. Denn ob nun Christian Marclay live Platten presst und mit diesen Dubplates Geräusche schichtet, ob das Institut Für Feinmotorik die Plattenspieler mit Gummibändern präpariert oder ob DJ Elephant Power mit Livesamples scratcht – all diese Ansätze lassen sich unter „Turntablism“ subsumieren. Die Avantgarde hat sich den Begriff also beim HipHop ausgeliehen.
 
Musiker wie DJ ELEPHANT POWER oder IGNAZ SCHICK haben weder mit HipHop noch mit der HipHopschen Battle-Attitüde etwas am Hut. Sportlich ist ihr Umgang mit dem Plattenspieler allemal, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen. Der Belgier Nicolas Baudoux aka DJ Elephant Power hat den Ablauf des Sampling von allen möglichen Sounds und dem anschließenden Scratching mit eben diesen Klängen perfektioniert. Ignaz Schick ist in der Geräuschmusik zuhause und entlockt seinem Plattenspieler mittels zahlloser Effektgeräte sehr Überraschendes. Komponierte und improvisierte experimentelle Neue Musik bilden die Eckpfeiler der intermedialen Arbeitsweise CLAUS VAN BEBBERs. Die Kuratorin und musikalische Leiterin dieses ersten ZAM Labors MARION WÖRLE befasst sich als Laptopmusikerin mit der Beziehung zwischen neuen und traditionellen Instrumenten. So werden gemäß der ZAM-Idee genreübergreifender Besetzungen mittels Elektronik und Percussion musikalische Kontrapunkte zur Arbeitsweise der DJs gesetzt.


ZAM Labor Vol #2
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Artistic director: Achim Tang
Stadtgarten Köln /// 24.06.2008 /// 21:00 h

Besetzung:
Achim Tang (Bass)
Gene Coleman (Bassklarinette)
Jaki Liebezeit (Drums)
Joseph Suchy (Gitarre)
Le Quan Ninh (Drums)
Isis KrŸger (Texte)
ZAM - Labor Vol#1 - Vol#4 2008:
Eine Konzertreihe musikalischer Versuchsanordnungen

Das Konzept ist das Abenteuer

Ab Mai 2008 startet in Köln eine Konzertreihe, deren experimenteller Charakter schon im Konzept steckt. Dieses ist, wie fast alle guten Ideen, einfach und entsprechend schnell erklärt: Ein Kurator denkt sich ein musikalisches Motto bzw. Thema aus und sucht die seiner Ansicht nach dazu passenden Musiker zusammen. Die Musiker wiederum begeben sich für zwei Tage in Klausur, um ausgehend vom Thema gemeinsam Fäden zu spinnen, zu improvisieren, sich zu reiben, musikalische Gedanken zu entwickeln. Am dritten Tag geht’s auf die Bühne. Bei dem, was dann das Publikum zu hören und zu sehen bekommt, von einem „Ergebnis“ zu sprechen, wird dem Grundgedanken des ZAM Labor nur zum Teil gerecht. Denn aufgeführt wird keine Komposition, kein „Stück“ im eigentlichen Sinne. Die Konzertbesucher werden vielmehr Zeugen der Fortsetzung eines Prozesses. Das, was in einer Laborsituation begonnen hat, wird mit der Erfahrung zweitägiger Versuchsanordnungen im Rücken als Livekonzert fortgesetzt. Die Bühne wird zum Labor. Das Publikum hat Teil am musikalischen Experiment. Der besondere Reiz der ZAM Labor Konzerte liegt für Hörer und Musiker in ihrer Unvorhersehbarkeit. Was sowohl die beteiligten Musiker als auch das Publikum mitbringen sollten, sind vor allem Offenheit und Neugier.
 
Ins ZAM Labor begeben sich ab Mai 2008 in einem zweimonatigen Turnus jeweils bis zu sechs Musiker verschiedenster stilistischer Herkunft. An wechselnden Orten in Köln gestalten sie einzigartige, unwiederholbare musikalische Events. Die Verschiedenheit der Protagonisten wird hier nicht als Hürde begriffen, sondern als ein nutzbares kreatives Potential. Das ZAM Team legt besonderen Wert darauf, sich nicht auf bestimmte Stilistiken und Genres festzulegen. Denn das Vergnügen der Laborarbeit liegt gerade in der Kombination sehr unterschiedlicher musikalischer Substanzen.Das Dogma, die sich selbst auferlegte künstlerische Beschränkung in Form eines Mottos, setzt Energien frei und steht nur scheinbar im Widerspruch zum Gedanken einer freien Musik. Denn durch die verordnete Thematik entstehen Produktionen, die bei totaler künstlerischer Freiheit so nicht entstehen würden. Originalität entwickelt sich im Weiterdenken des Themas. Dieses funktioniert nicht als strikte Vorgabe für bestimmte musikalische Prozesse oder Inhalte (etwa im Sinne einer Programm Musik), sondern ist assoziativer Ausgangspunkt für Künstler und Publikum. Die vom „Laborleiter“ eingeladenen Musiker sollen zum aktuellen Labor-Thema musikalisches und performatives Material erarbeiten. Das können Kompositionen, Spielregeln, Choreographien, Soundsamples, Improvisationsanordnungen, Computerprogramme oder ähnliches sein.
 
Seit 2005 arbeiten die Initiatoren des „Zentrum Aktuelle Musik“, kurz ZAM, an der Idee einer stilistisch offenen Plattform für aktuelle Musik. Sie wollen der Marginalisierung künstlerisch anspruchsvoller aktueller Musik entgegenwirken. Ein sinnvolles Unterfangen, denn eine große, international vernetzte Szene für grenzüberschreitende Musik gibt es nicht. Die aktiven Künstler arbeiten oft isoliert oder fühlen sich einer verwirrenden Vielzahl von Kleinstszenen zugehörig. ZAM will dazu beitragen, diese Aktivisten sowohl regional als auch international zu vernetzen und die konstruktive Auseinandersetzung über ästhetische Positionen und künstlerische Inhalte voranzutreiben.





A R C H I V




t a l k    t o    m e !
eine Impovisationswerkstatt zum Thema Kommunikation / KHM,  1.11. und 2.11.07


Kommunikation (lat. communicare „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“) definiert auf der menschlichen Alltagsebene ein gemeinschaftliches Handeln, in dem Gedanken, Ideen, Wissen, Erkenntnisse, Erlebnisse (mit-)geteilt werden und auch neu entstehen. Kommunikation in diesem Sinne basiert auf der Verwendung von Zeichen in Sprache, Gestik, Mimik, Schrift, Bild oder Musik. Kommunikation ist der wesentliche Bestandteil jeder menschlichen Interaktion, die dabei auftretenden Schwierigkeiten sind hinreichend dokumentiert. Unsere Werkstatt nimmt den Begriff als Ausgangspunkt und Gravitationszentrum für die Ideen, aus denen wir unsere performance generieren. Es wird dabei aber nicht um die intellektuelle Problematisierung der Kommunikation und ihrer vielfältigen Bedeutungsebenen gehen. Die auf einen Fluchtpunkt ausgerichtete  Vorbereitung ermöglicht es uns vielmehr, in der Begegnung von einer gemeinsamen Basis auszugehen und die Musik über ein spontanes und intuitives Zusammenspiel hinaus zu entwickeln.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“
(Paul Watzlawik)

P e r s o n a l :
Elisabeth Flunger (Lux) - percussion
Achim Tang (A/D) - Bass
Josef Suchy (D) - Gitarre
Marion Wörle (D) - Computer/Briefe/Laborleitung
Volker Hennes (D) - Computer
Matthias Muche (D) - Posaune