comprovise präsentiert im Rahmen von ON - Neue Musik Köln in einem zweitägigen Festival zeitgenössische komponierte und improvisierte Musik und setzt bewusst einen Akzent auf die Gleichgewichtung und unmittelbare Gegenüberstellung beider musikalischen Schaffensformen. Zugleich untersucht es deren Berührungspunkte, überschneidungen, ihre Nähe und Distanz unter Berücksichtigung musikästhetischer, performativer sowie kulturpolitisch-soziologischer Aspekte. In abwechslungsreicher Ausgewogenheit sind in vier Konzertteilen acht Kompositionen (von Carola Bauckholt, Elisabeth Harnik, Christian Pfeiffer, Melvyn Poore, Frederic Rzewski, Caspar Johannes Walter und Jennifer Walshe) und acht Duo- bis Quartett-Improvisationen zu hören. Den Abschluss bildet eine von Richard Barrett vorbereitete und von allen Teilnehmern realisierte "Komprovisation". Zur Vertiefung der Thematik ergänzen Podiumsrunden und publikumsoffene Diskussionen-eingeleitet und moderiert von Björn Gottstein-das Festivalprogramm, welche dazu einladen, sich mit der Geschichte, ästhetik und Rezeption von Improvisation und Komposition auch auf theoretischer Ebene auseinanderzusetzen.
PROGRAMM ZUM DOWNLOAD
DAS SCHILLERN DES AUGENBLICKS
Improvisation und Komposition als Dispositive der Avantgarde
von Björn Gottstein
1. Man stelle sich vor, ich würde diesen Text schreiben, ohne
mir eine Korrektur zu gestatten, ich würde die Gedanken beim
Schreiben fassen und mit der dem im Zehnfingersystem geschulten Tipper
möglichen Unmittelbarkeit zu Papier bringen. Es wäre
zwangsläufig ... Ich müsste zwangsläufig
begonnene Sätze abbrechen und von vorne beginnen, ich
müsste zuvor Gesagtes relativieren. Der Text wäre
umständlicher als ein in mehreren Etappen notierter, immer
wieder ausgebesserter und revidierter Text, aber er würde auch
eine gewisse Anschaulichkeit und Fasslichkeit des Gedankengangs
ermöglichen. Eine solche "allmähliche Verfertigung
des Gedankens beim Schreiben", um den Titel eines berühmten
Aufsatzes von Kleist zu paraphrasieren, käme bis zu einem
gewissen Grade einer Improvisation gleich. Das entspricht ganz einer
Alltagsbeobachtung, die Keith Rowes einmal verallgemeinerte, dass wir
nämlich alle ständig improvisieren, wenn wir zum
Beispiel einen Freund im Supermarkt begegnen und uns mit ihm
unterhalten.
Nun lässt sich das lockere Gespräch zwischen
Käsetheke und Frühstückcerealien nur bedingt
mit einer musikalischen Improvisation vergleichen. Und
spätestens in dem Augenblick, in dem wir zwischen einem
künstlerisch-schöpferischen Akt und dem der Pragmatik
geschuldeten Verfassen eines Programmhefttextes einen qualitativen
Unterschied benennen wollen, verliert der Vergleich seine Berechtigung.
Gewiss ist es sinnvoll das für die Improvisation zentrale
Moment der Performanz durch den Hinweis auf seine alle Bereiche des
menschlichen Lebens durchdringende Bedeutung zu entweihen. Gleichzeitig
gilt es festzuhalten, dass auch die Komposition häufig
improvisatorische Züge trägt. Bernhard Lang zum
Beispiel, der lange als Jazzmusiker aktiv war und auch in
außereuropäischen Kontexten musiziert hat, hat sich
eine Kurzschrift angewöhnt, die es ihm ermöglicht,
inneren Ohres zu improvisieren und seine eigenen Klangvorstellungen in
Echtzeit zu Papier zu bringen. Jo Kondo hält ebenfalls am
Begriff der Improvisation fest; er reagiere mit jeder neuen Note, die
er notiert, auf die vorhergehende, nur dass er sich bei der
Entscheidung für eine bestimmte Note sehr viel Zeit lasse. Und
dass Giacinto Scelsis Stücke allesamt transkribierte
Improvisationen sind, ist ebenfalls bekannt.
2. Die vielleicht entscheidende Frage wäre die, ob zwischen
einem Stück, das komponiert wurde, und demselben
Stück, das aber aus der Improvisation heraus entstand, ein
Unterschied besteht. Musik ist bekanntlich immer mehr als eine
bloße Folge von Klang. Sie ist ein
ästhetisch-sozialer Komplex, bei dem die Garderobe des
Publikums genauso mitgedacht werden muss wie die Frequenz des
Kammertons. Ihren Institutionen nach sind die komponierte Musik, die im
bürgerlichen Konzertbetrieb zu Hause ist, und die
improvisierte Musik, die lange mit dem Jazz gleichgesetzt wurde und die
dort ihre zentralen Stätten etabliert hat,
tatsächlich verschieden. Das Gediegene hier, das Verruchte
dort. Während man sich im Konzertsaal eben nur schlecht von
Kategorien wie Genie und Meister befreien kann, schwingt in jeder
improvisierten Musik noch etwas mit vom ursprünglichen Impuls
der afroamerikanischen Rebellion, die sich im Jazz manifestierte. Dass
man eine Musik wie den Jazz überhaupt habe erfinden
können, sei ein wesentlicher Grund gewesen, AMM zu
gründen, erklärte Keith Rowe einmal
rückblickend.
Die institutionelle Trennung zwischen komponierter und improvisierter
Musik führt bisweilen zu eklatanten Missständen. In
dem Maße, in dem sich die "Klassik" mit ihrer über
Jahrhunderte hinweg erarbeiteten Reputation brüsten konnte, in
dem sie am Komponisten als einer metaphysisch
überhöhten Figur festhielt und ihre akademische
Absicherung auch in Form von kulturpolitischer Lobbyarbeit nutzte,
musste sich die improvisierte Musik mit dem Stigma des
Vorübergehenden und Peripheren abfinden, was sich nicht
zuletzt in der üblen Diskrepanz niederschlägt, die
eine Verwertungsgesellschaft wie die GEMA zwischen den Bereichen
festsetz.
3. Noch etwas anderes unterscheidet zwei identische Stücke
komponierten und improvisierten Ursprungs: die Haltung des
Hörers. Dadurch, dass der Hörer das Werden der Musik
mitverfolgt, er den vermeintlichen Wissensvorsprung des Improvisatoren
nicht zwangsläufig als hierarchisierend empfindet,
Gestaltungskriterien und eine wie auch immer geartete Logik des
Prozesses nachzuvollziehen, zumal wenn sie, wie gerade im Bereich der
freien Improvisation der Fall, auch periphere Aspekte wie das
Resonanzverhalten des Raums mit einbezieht. Der aus dem Moment heraus
gestaltete Verlauf einer Improvisation versieht diese mit der Magie der
Präsenz. Das, was Hans Ulrich Gumprecht mit Blick auf den
Mannschaftssport einmal die "Epiphanie der Form" (1) genannt hat, ist auch
in der Improvisation möglich.
Das ad hoc versieht die Improvisation allerdings mit dem Makel der
Kontingenz, sofern ihr gelingen bis zu einem gewissen Grade von einer
Reihe spontan getroffener Entscheidungen abhängt, womit nicht
gesagt ist, dass es nicht genauso viel schlechte komponierte gibt Musik
wie missratene Improvisationen. Gleichzeitig erfüllt die
Improvisation die Forderung an Kunst, sie müsse neu, originell
und authentisch sein, in einem weitaus höherem Maße,
als dies der komponierten Musik gelingt, sofern sie aus dem Moment
heraus empfunden ist und einen Anspruch auf Einzigartigkeit erhebt. Ja,
sie führt, wie Edgar Landgraf anmerkt, zu "erhöhter
Varietät" und steigert die "Reflexivität des System",
indem sie aufmerksam macht auf das, "was als alt oder schon bekannt
gelten soll und deshalb künstlerisch nicht mehr von Bedeutung
sein darf" (2). Dass sich natürlich und gerade auch die
improvisierte Musik vor Klischees und Stereotypen zu hüten
hat, sei hier nur am Rande erwähnt.
4. Die Gründung der Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza
in Rom 1964, AMM in London 1965 und Musica Elettronica Viva in Rom 1966
markieren einen in seiner Tragweite nicht zu
überschätzenden Schnitt in der Musikgeschichte.
Natürlich ist auch im Rahmen der musikalischen Avantgarde bis
zu einem gewissen Grade improvisiert worden; die musikalische Aleatorik
und die musikalische Grafik setzten zumindest einen offenen,
durchlässigen Werkbegriff voraus. Dass sich aber Komponisten
und Interpreten der klassischen Tradition der Improvisation widmeten,
dass also der musikalische Ideenhorizont und die Klangvorstellung der
neuen Musik in einer auf losen Übereinkünften
basierenden, strukturell aufgelockerten musikalischen Praxis aufgehen
sollten, reduzierte die Differenz zwischen den Bereichen auf einen
esoterischen Rest. Die Komposition und die freie Improvisation kamen in
wesentlichen Punkten zur Deckung: in ihrem Verzicht auf tonale
Elemente, der Hinwendung zum Geräuschklang, der Integration
elektroakustischer Mittel und dem Verzicht auf getaktete Metren. Auch
wenn die drei genannten Gruppen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen
kamen, haben sie in den Sechzigerjahren, gemeinsam mit aus dem Jazz
heraus entstandenen Befreiungsbestrebungen, wie man sie bei Derek
Bailey oder Anthony Braxton beobachten konnte, die Idee der "freien
Improvisation" begründet, die in den Neunzigerjahren dann als
ästhetisches Paradigma Schule machte. Die Idee des
Comprovisers, die sowohl einen auf in Echtzeit realisierten
Klangkomplex zielenden Komponisten, als auch den strukturelle
Zusammenhänge suchenden Improvisatoren meinen kann, ist
unbedingt auf diesen musikhistorischen Schnitt
zurückzuführen. Dass es heute noch klassisch
geschulte Interpreten gibt, die, zur Improvisation aufgefordert, nach
15 Sekunden mit der Bemerkung, mehr hätten sie nicht zu sagen,
verstummen, zeugt von einem Desiderat, dass sich erst
allmählich verwirklichen lässt. Dort aber wo Werke
entstehen, die Sinn, Zusammenhang und Form auf einer
rudimentären Ebene vermitteln, die aber viele Einzelheiten
offen lassen und den Interpreten dadurch am Entstehungsprozess des
Werkes teilhaben lassen – und zwar in dem er aktiv
Leerstellen füllt und nicht bloß reaktiv zwischen
möglichen Lösungen auswählt – kann
man vielleicht wirklich von einer komprovisierten Musik sprechen.
Entscheidend ist nicht die formale Struktur, sondern das "momentane
Schillern" (3) des Augenblicks, in dem Musik sich zur Magie
erhebt.
(1) Hans Ulrich Gumbrecht "Epiphany of Form". In: Andreas Kablitz & Gunther Neumann (Hg.) Mimesis und Simulation. Freiburg i. Br. 1998, 517-539.
(2) Edgar Landgraf "Improvisation: Paradigma moderner Kunstproduktion und Ereignis". In: parapluie 17 (2003). http://parapluie.de/archiv/improvisation/kunstproduktion/
(3) Richard Rorty: Kontingenz, Ironie und Solidarität. Frankfurt a. M. 1992, 258. Den Hinweis auf Rorty verdanke ich dem Manuskript "Entwurf und Ereignis. Versuch über musikalische Gruppenkomposition im Moment ihrer Ausführung" von Burkhard Beins.
BIOGRAPHIEN:
Richard Barrett (GB) Computer / Elektronik
Richard Barrett, geboren 1959, studierte Komposition hauptsächlich bei Peter Wiegold und elektronische Komposition und Performance an Institut für Sonology in Den Haag. Gegenwärtig hat er eine Professur an der Brune-Universität in London. Sein Werk umfasst sowohl notierte Kompositionen als auch Improvisationen, die von Kammer- und Orchestermusik bis zur innovativen Nutzung von Live-Elektronik und Kooperationen mit bildenden Künstlern reicht. Seit 1986 ist er mit Paul Obermayer in dem Elektro-Duo FURT aufgetreten, das sich ab 2005 gelegentlich zum Oktett fORCH erweitert hat. Er arbeitet auch regelmäßig mit Improvisationsmusikern wie Evan Parker und Ute Wassermann zusammen sowie mit unzähligen Ensembles einschließlich lang andauernden Kooperationen mit Elision und Champ d'action.
www.furtlogic.com
Carola Bauckholt (D)
Carola Bauckholt, geboren 1959 in Krefeld. 1976 - 1984 Mitarbeit im TAM (Theater am Marienplatz, Krefeld). 1978 - 1984 Studium bei Mauricio Kagel an der Musikhochschule Köln. 1985 Mitbegründerin des Thürmchen Ensembles. Zentrales Moment der Kompositionen von Carola Bauckholt ist das Nachdenken über das Phänomen der Wahrnehmung und des Verstehens.
www.carolabauckholt.de
Björn Gottstein (D)
Björn Gottstein, geboren 1967, ist Musikwissenschaftler und -journalist aus Berlin mit den Arbeitsschwerpunkten Moderne, Avantgarde und elektronische Musik. Er moderiert regelmäßig Neue-Musik-Sendungen für den Westdeutschen Rundfunk, au§erdem Realisierungen von Musikfeatures für den Bayerischen Rundfunk, Südwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Deutschlandradio Kultur. Er ist als Kritiker für die "taz" tätig und veröffentlicht Fachtexte und Rezensionen in der "Neue Zeitschrift für Musik" den "MusikTexten" sowie internationalen Publikationen. Seit 2005 ist er Redaktionsbeirat der Zeitschrift "Positionen". 2006 erschien sein Buch "Musik als Ars Scientia" im Pfau-Verlag.
www.geraeuschen.de
Elisabeth Harnik (AT) Klavier
Elisabeth Harnik wurde 1970 in Graz geboren. Sie studierte zunächst Klassisches Klavier an der Musikhochschule Graz. Sowohl als Interpretin ihrer eigenen Kompositionen als auch als Pianistin und Sängerin in verschiedenen Bereichen der improvisierten Musik begann sie ihre künstlerische Laufbahn. Kompositionsstudien an der Kunstuniversität Graz folgten. Neben ihrer Kompositionstätigkeit ist sie als Improvisatorin auf nationalen und internationalen Festivals vertreten. Die Stadt Graz verlieh ihr den Musikförderpreis 2005. 2006 schloss sich ein Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramts an. 2007 war sie österreichische Staatsstipendiatin für Komposition und erhielt den Würdigungspreis der Kunstuniversität Graz sowie das Andrzej-Dobrowolsky-Kompositionsstudium des Landes Steiermark.
www.elisabeth-harnik.at
Lê Quan Ninh (FR) Perkussion
Als klassisch ausgebildeter Perkussionist arbeitete Le Quan Ninh mit zeitgenössischen Musikensembles und ist Gründungsmitglied von Quatuor Helios, ein Schlagzeugquartett, das unter anderem John Cages Schlagzeugarbeiten aufgeführt hat. Als Improvisator wirkte er bei zahlreichen Veranstaltungen in Europa und Nordamerika mit und spielt regelmäßig mit Ensembles, die improvisierte akustische und elektroakustische Musik, Performances, Tanz, Dichtung, experimentelles Kino, Fotografie, Video verbinden. Mit der Cellistin Martine Altenburger gründete er 2006 das Ensemble]h[iatus, ein zeitgenössisches Musikensemble, dessen Mitglieder gleichzeitig Interpreten und Improvisatoren sind.
www.lequanninh.net
Anton Lukoszevieze (GB) Cello
Der Cellist Anton Lukoszevieze ist einer der mannigfaltigsten Künstler seiner Generation und bemerkenswert für seine Qualitäten auf dem Gebiet der Avantgarde, experimentellen und imrovisierten Musik. Er hat zahlreiche Performances in ganz Europa und den USA gegeben und auch häufig Radioprogramme gestaltet. Zusammenarbeit mit vielen Komponisten und Instrumentalisten wie David Behrman, Alvin Lucier, Amnon Wolman, Helmut Oehring, Christopher Fox, Philipp Corner, Alvin Curran und Phill Niblock. Anton Lukoszevieze ist Gründer und künstlerischer Leiter des Ensembles Apartment House, ein Mitglied des Kollektivs Zeitkratzer und hatte kürzlich sein Tanzdebüt mit der Vincent Dance Company in Broken Chords, Düsseldorf.
www.myspace.com/antonlukoszevieze
Christian Pfeiffer (D)
Christian Philipp Pfeiffer, geboren 1984 in Filderstadt, studierte seit 2004 an der Musikhochschule Stuttgart Schulmusik, seit 2005 Violoncello. Tutor im Institut für Musiktheorie und Komposition. Sein großes Interesse an zeitgenössischer Musik konkretisiert er seit 2006 durch Kompositionsunterreicht bei Caspar Johannes Walter. Rege cellistische Tätigkeit in verschiedenen Kammermusikbesetzungen vom Trio bis Oktett sowie im Ensemble musica viva stuttgart.
Melvyn Poore (D) Tuba
Wie weit man mit einem scheinbar unbeweglichen Instrument wie der Tuba gehen kann, klärt sich für Melvyn Poore erst während seines Studiums. Seine Erfahrungen als Music Director des Birmingham Arts Laboratory verstärken die Einsicht, dass es ein Tuba-Leben auch jenseits des Orchesteralltags geben muss. Erste Erfahrungen im Arts Lab mit Tonbändern und Elektronik führen Poore zu einer neuen Leidenschaft: der experimentellen Interaktion von akustischen Instrumenten und Technik, die nun gleichberechtigt neben rein akustischen Experimenten mit den Klangmöglichkeiten der Tuba stehen. Seine langjährigen Erfahrungen gibt Poore als Interpret, Komponist und Dozent weiter.
www.poore.de
Frederic Rzewski (USA/B) Klavier
Frederic Rzewski, geboren 1938 in Westfield Massachusetts, studierte Musik u. a. bei Walter Piston, Roger Sessions und Milton Babbitt an den Universitäten Harvard und Princeton. 1960 ging er nach Italien, wo er bei Luigi Dallapiccolla lehrte, womit gleichzeitig eine Karriere als Interpret neuer Klaviermusik begann. Mitte der 60er gründete er zusammen mit Alvin Curran und Richard Teitelbaum die Gruppe MEV (Musica Elettronica Viva), die schnell Bedeutung erlangte für ihre Pionierarbeit in Live-Elektronik und Improvisation und die er später für eigene Kompositionen nutzte. Während der 70er experimentierte Rzewski weiter mit musikalischen Formen, in welchen Stil und Sprache wie strukturelle Elemente behandelt wurden. Einige Stücke für größere Ensembles entstanden zwischen 1979 und 1981, die eine Rückkehr zur graphischen Notation zeigen, während die meisten seiner Werke in den 80ern neue Wege der Zwölftontechnik erforschten. Eine freie, mehr spontane Annäherung im Schaffen Rzewskis kann dagegen mehr in seinen jüngeren Kompositionen gefunden werden. Seit 1983 ist er Professor für Komposition am Conservatoire Royale des Musique in Lyon.
www.kcstudio.com/rzewski2.html
Burkhard Stangl (AT) Gitarre
Burkhard Stangl, geboren 1960, arbeitet in den Bereichen experimentelle Improvisation, elektronische und neue Musik. Studium der Ethnologie und Musikwissenschaft. In den 80ern erste Bands und Gitarrist bei Franz Koglmann, in den späten 90ern zunehmend Arbeiten in elektroakustischen Kontexten. Kompositionen unter anderem für das Klangforum Wien, Monoblue Quartet, Maxixe, Hortus Musicus, Binar und Experimentalfilme von Gustav Deutsch. über 50 CD-Veröffentlichungen, publizistische Tätigkeit, Konzerte und Teilnahme an Festivals in Europa, Amerika, Asien und Afrika. Lebt und arbeitet in Wien.
http://stangl.klingt.org
Roger Turner (GB) Schlagzeug, Perkussion
Roger Turner wuchs im strengen, jazz-orientierten Umfeld der britischen Canterbury-Szene der 60er Jahre auf. Seit 1974 konzentrierte sich seine Arbeit in der Erforschung einer persönlich gefärbten Perkussionssprache durch den Prozess von Improvisationen. Soloarbeiten, Kollaborationen mit experimentellen Rockmusikern, intensive Aktivitäten mit Tanz, Film und Videoprojektionen, Mitwirkung in zahllosen Jazz-Ensembles und Workshops sind Teil dieser Entwicklung. Sein Hauptaugenmerk liegt derzeit auf Begegnungen mit einigen der einflussreichsten europäischen und internationalen Musikern auf dem Gebiet der improvisierten Musik. Gegenwärtig arbeitet er fest zusammen mit Konk Pack (Tim Hodgkinson und Thomas Lehn, im Duo mit Annette Peacock, mit den Recedents (Lol Coxhill und Mike Cooper), dem Phil Minton Quartett etc.
www.efi.group.shef.ac.uk/mturner.html
Jennifer Walshe (IR / USA) Stimme
Jennifer Walshe, geboren 1974 in Dublin, Irland. Sie studierte Komposition an der Royal Scottish Academy of Music and Drama in Dublin und promovierte 2002 an der Northwestern University, Chaicago. Ihre Kompositionen wurden überall in Europa, den USA und Kanada aufgeführt. In Ergänzung ihrer Aktivitäten als Komponistin trat sie häufig als Sängerin auf, spezialisiert in ausgefeilten Vokal-Techniken. Viele ihrer jüngsten Werke wurden in Auftrag gegeben für ihre Stimme in Verbindung mit anderen Instrumenten. Jennifer Walshe ist ebenso aktiv als Improvisatorin tätig, die regelmäßig mit Musikern in Europa und den Vereinigten Staaten spielt.
www.milker.org
Thürmchen Ensemble
Das Thürmchen Ensemble, 1991 von den Komponisten Carola Bauckholt, Caspar Johannes Walter und Roland Kluttig in Köln gegründet, widmet sich der zeitgenössischen, experimentellen Musik. Die Vorlieben des Ensembles fŸr Werke, die ästhetisch eigenwillig sind und kompositorisch Neuland erobern, dokumentieren sich in den über achtzig Uraufführungen und zahlreichen deutschen Erstaufführungen der letzten Jahre sowie CD Produktionen. Das Thürmchen Ensemble fördert gezielt Komponistinnen und Komponisten aus verschiedenen Ländern, die bisher wenig an die Öffentlichkeit getreten sind.
www.thuermchen.de
Dorothea Eppendorf (D) Klavier
Die in Köln lebende Pianistin Dorothea Eppendorf widmet sich sowohl dem klassisch-romantischen Repertoire als auch intensiv der zeitgenössischen Musik. Sie studierte in Berlin, Hannover und in der Meisterklasse von David Levine in Düsseldorf. Außerdem war sie als Stipendiatin der Fondation les Treilles in Frankreich Schülerin von Claude Helffer. Dorothea Eppendorf ist Dozentin an der Kölner Hochschule für Musik sowie an der Folkwang-Hochschule Essen.
www.thuermchen.de
Diego Montes (AR/D) Klarinette
Diego Montes, geboren 1958 in Cordoba, Argentinien, studierte Klarinette am Konservatorium in Cordoba und an der Folkwanghochschule in Essen. Seine Konzerttätigkeit umfasst die Bereiche der Neuen Musik, zum Beispiel als Mitglied des WNC-Ensembles, des Thürmchen Ensembles und des Alea-Ensembles und der Alten Musik in historischer Aufführungspraxis, wie bei den Musiciens de Louvre und im Concerto Köln.
www.thuermchen.de
Caspar Johannes Walter (D) Cello
Caspar Johannes Walter, geboren 1964 in Frankfurt / Main, hatte Kompositionsunterricht bei Volker David Kirchner in Wiesbaden sowie Johannes Fritsch und Klarenz Barlow an der Musikhochschule Köln. 1985 war er Mitbegründer des Kölner Thürmchen Verlags. Er erhielt eine Reihe bedeutender Kompositionspreise, 1988 wurde ihm das Förderstipendium für Musik der Stadt Köln zugesprochen, 1996/96 nahm er das Stipendium im Künstlerhof Schreyahn / Niedersachsen wahr und war 1998/99 Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Caspar Johannes Walter repräsentierte die junge Kölner Musikergeneration bei Austauschprojekten des Goethe-Instituts in New York (1989) und Atlanta (1993) und seine Stücke wurden zur Teilnahme an den Weltmusiktagen 1994 in Stockholm und 1996 in Kopenhagen ausgewählt. Sein Interesse als Interpret - Cellist im Thürmchen Ensemble - gilt vor allem jüngeren Komponisten und Komponistinnen aus den Bereichen der experimentellen Musik und des Musiktheaters.
www.thuermchen.de
|